Wenn der Kanzler eine Zeitenwende ausruft, diese auch noch zum Wort des Jahres wird, wir aber bei seiner Zeitenwende nicht mitmachen, sondern uns vorgenommen haben, uns selbst treu zu bleiben. Das Wort des Jahres lautet »Zeitenwende«. Die Begründung: »Das keineswegs neue Wort, das speziell für den Beginn der christlichen Zeitrechnung, in allgemeinerer Bedeutung auch für jeden beliebigen Übergang in eine neue Ära steht, wurde in diesem zweiten Sinne prominent von Bundeskanzler Olaf Scholz verwendet«. Bei vielen Menschen habe eine emotionale Wende stattgefunden.

Vielfach seien Angst und Sorge vor einem Atomkrieg in Europa oder gar einem dritten Weltkrieg zu spüren gewesen, meint die Jury. Was will uns der Kanzler damit eigenlich sagen, dass wir in der Zeit der Angst leben? Angst vor einem Atomkrieg, Angst vor dem Blackout, der Stromrechnung, Angst, die Ersparnisse zu verlieren, Angst, nicht über die Runden zukommen, Angst vor Jobverlust, Angst vor Viren, Angst vor dem Klimakollaps, oder Angst, seine Meinung zu sagen. Wenn Olaf Scholz die neue Ära ausruft, dann mache ich da nichtmit. Ich erwarte von Politikern, dass sie so handeln, dass Menschen eben nicht in Angstleben müssen. Oder bedeutet das etwa, dass ich Angst vor Veränderungen habe? Früher habe ich SPD gewählt, war sogar Mitglied bei den »Sozis«, aber seit Schröder habe ich den Glauben daran verloren, dass die SPD für eine gerechte Gesellschaft steht. Ein »unglaubliche Erfolg«, wenn die Ampel jetzt Hartz IV als Bürgergeld bezeichnet und 50 Euro drauflegt, was bei einer Inflation von über 10 Prozent einen »Real-Regelsatz-Verlust« bedeutet.

GEMEINSAME GESELLSCHAFTLICHE ZIELE

Nein, ich bin für eine Veränderung, aber nicht für eine Ära der Armut und Angst. Gemeinsame gesellschaftliche Ziele wären zunächst ausfindig zu machen. Aber immer mehr Menschen wenden sich von einer Gesellschaft ab, die sie dazu zwingen wollte, sich impfen zu lassen. Worüber sich alle Menschen einig waren ist, dass keiner mit einem Weiter-so einverstanden war. Viele waren froh, aus dem täglichen Hamsterrad rausgekommen zu sein.

In diesem Sinne war »Corona« ein notwendiger »Reset« aus der Merkel-Ära des Turbo-Kapitalismus. Auf Dauer wird man eine Gesellschaft nicht mit Angst zusammenhalten können. Es gab auch Zeiten, in denen wir gemeinsam viel Spaß hatten. Wie sieht es denn bei Ihnen mit der emotionalen Wende aus? Hat Ihnen der Spaß auch keinen Spaß mehr gemacht? Oder fahren sie aus Trotz mit ihrem Verbrenner durch die Gegend und hören den Song von Markus: »Ich hab Spaß … ich geb Gas«? Dann ärgern sie sich an der Tanke, dass das Benzin mehr als zwei Mark und zehn kostet und Sie bemerken, dass wir uns nicht mehr in den 80ern befinden. Nach den »Corona-Regeln« von 2021 sollten sich Ungeimpfte nur noch mit maximal zwei Personen aus einem anderen Haushalt treffen. Dieses Jahr dürfen sie wieder zusammen feiern und Opa zieht seine FFP2-Maske an, um sich nicht am Enkelkind umzubringen — schöne neue Weihnachtszeit.

Sie haben doch von mir hoffentlich keine Antworten erwartet, was diese Zeitenwende bringen wird. Da kann ich Ihnen nur mit einem weiteren Songtext aus den 80ern aushelfen: »Time (Clock of my Heart)« von Culture Club – Zeit (Uhr unseres Herzens). Die Zeit lässt die Verliebten glauben, sie hätten etwas Echtes, die Zeit ist die Uhr unseres Herzens, aber die Zeit wird uns keine Zeit geben. So kurz vor dem neuen Jahr, wünsche ich mir, dass Sie nächstes Jahr das machen, was Ihnen Spaß macht, was Sie persönlich glücklich macht. Ob Sie sich neu verlieben, einen neuen Job finden, egal – aber tun Sie es jetzt!

Denn wenn jeder seine persönliche Zeitenwende beginnt, dann brauchen wir Olaf Scholz nicht, sondern gestalten eine Gesellschaft nach unseren eigenen Wünschen. Keiner wird die Welt retten, ob Klima-Kleber oder Querdenker, wenn er nicht vorher herausgefunden hat, was ihn selbst wirklich glücklich macht. Denn Liebe und Glück sind bekanntlich ansteckend, und davor haben die Mächtigen die größte Angst. Frohe Weihnachten!